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Manifest

Fragmentarisches Manifest eines zeitgemäßen anarchistischen Theaters

Prämissen:

I. Die deutsche Theaterlandschaft weist zu starke machtforcierte Strukturen auf.
II. Die Membran zwischen der Institution Theater und ihren Rezipienten ist nicht mehr durchlässig, sondern verkrustet.

 

1. Grenzen – lose Grenzen

Das anarchistische Theater entsteht durch die Abwesenheit des Theaterstaats und seiner Repräsentanten. Grenzen sind lose Grenzen, folglich beweglich. Lose Grenzen meinen nicht die starrsinnige Auflösung von Grenzen, sondern die Akzeptanz ihrer Beweglichkeit.

2. Ein stabiler Freiheitsgedanke

Der neue Theateracker wird von freien und gleichen Menschen bestellt. Aus der Erde wächst eine Theaterwelt, in der die Freiheit alle betrifft. Die Freiheit jedes Einzelnen ist durch das Gebot der allgemeinen Freiheit garantiert.

3. Kooperation und Verantwortung

Freie Assoziation innerhalb des Ensembles ist der Dünger für die Keimlinge, die auf dem freien Theaterfeld gedeihen. Die assoziative Mitarbeit und Mitsprache obliegt dem Individuum. Seine Freiheit ist seine Verantwortung.

4. Die Technik der Schauspielerei und anderer Theaterhandwerke

Ein Messer muss scharf sein und schneiden. Eine stumpfe Klinge schneidet nicht. Ein Messer, das nicht schneidet ist kein Messer. Für anhaltende Schärfe zu sorgen obliegt dem Messer selbst. Die Technik obliegt dem Individuum.

5. Eine neue Subjekt-Objekt-Beziehung

Das Kunstwerk ist nicht der Künstler. Beides ist voneinander unabhängig. Schneidet das Messer? Schneidet das Kunstwerk?

6. Die Position des Regisseurs im neuen anarchistischen Theater

Die Regie ist Mutter des Inszenierungsgedankens. Der Regisseur trägt ihn aus und bringt ihn zur Welt. Für die Erziehung des Säuglings verantwortet sich das Produktionskollektiv. Der Regisseur ist Vormund bis zur Unabhängigkeit der Inszenierung.

7. Die Unabhängigkeit des Inszenierungsgedankens

Die Logik der Inszenierung erhebt zur rechten Zeit Anspruch auf Unabhängigkeit. Der Inszenierungsgedanke ist ab diesem Zeitpunkt mündig und volljährig und weist sich selbst die Richtung hin zu einem geschlossenen Gesamtwerk.

8. …

F.T. & B.M.

„Alter Simpl“, München im Februar 2015